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Erst marschieren, dann massakrieren
Von Mr.Knister | 9.März 2009
Am zweiten Tag der Fantasy Filmfest Nights wurde der Splatterfaktor etwas schwerer gewichtet. Mit „Dead Snow“ kam das viel beachtete norwegische Werk von Tommy Wirkola auf die deutsche Leinwand. Die einen werden dem Film bestimmt für ein Zeugnis schlechten Geschmacks halten, während andere ihn sicher abfeiern werden. Ich selbst habe mich dazu entschlossen, ihn zu den Movies zu zählen, auf deren Veröffentlichung ich hierzulande zwar inständig hoffe, wenngleich ich auch kaum Chancen auf einen Passierschein durch die Prüfbehörden sehe.
Acht Medizinstudenten wollen sich zu den Osterferien in eine Blockhütte zurückziehen, die mitten in den norwegischen Bergen liegt. Umgeben von der zerklüfteten Schneelandschaft und Fjorden sind ein paar Tage Entspannung, Suff und Sex eingeplant. Der Mensch lebt schließlich nicht von Bildung allein. Als mitten in der Nacht ein Fremder auftaucht, gibt es eine kleine Geschichtslektion: Im Zweiten Weltkrieg diente das beschauliche Örtchen als strategischer Punkt für die deutschen Besatzer. Eine Einheit aus reichstreuen Soldaten sollte die alliierten Hilfslieferungen unterbinden und wütete nebenbei unter der Bevölkerung. Diese lehnte sich gegen Kriegsende gegen die sadistische Nazi-Truppe auf. Ein Rest der überlebenden Division riss sich die Wertsachen unter dem Nagel und flüchtete in die nahe gelegenen Wälder. Dort wurden sie nicht wieder gesehen. Wahrscheinlich erfroren sie im Gehölz.

So stellt man Nazis kalt
Schnell stellt sich dieser Teil der Vergangenheit als nicht ganz richtig heraus, denn die braune Bande segnete zwar das Zeitliche, aber davon scheinen diese nichts mitbekommen zu haben. Als Untote stapfen sie fortan durch die Gegend und haben sich als Ziel das kleine Studentengrüppchen ausgesucht. Nach all der Marschiererei zu Kriegszeiten sind die Hitlerschergen nicht langsamer geworden. Flink wie Windhunde jagen sie der partyhungrigen Gesellschaft hinterher und zerteilen ihre Opfer fachgerecht in viele handliche Einzelteile. Aber selbst die Zombies müssen herbe Verluste hinnehmen, denn ganz so wehrlos sind unsere Studenten dann doch nicht.
Nazi-Zombies, Studenten, Gold und einsame Wälder – das klingt nach einem herrlich schrägen Gemetzel. Diesem Ruf wird „Dead Snow“ auch voll und ganz gerecht, ohne dabei den Fun-Faktor auszusparen. Ernst nimmt sich das Splatter-Spektakel nämlich nicht die Bohne. Das fängt bei der stereotypen Charakteren an (Ein Filmnerd darf ebenso wenig fehlen, wie blasses Kanonenfutter), geht über in einen Tanz der Gedärme und endet bei auf Motorschlitten montierten Maschinengewehren, die noch einmal zwischendurch für Komik sorgen dürfen. Fängt der Film recht gemächlich an, gewinnt er in der zweiten Hälfte an Tempo. Die Macher wussten dann offenbar wieder, was sie einer solchen Geschichte schuldig sind und lassen es dann vor dem Abspann noch einmal so richtig mit Kettensäge und Slapstick krachen. Da fallen die logischen Lücken gar nicht so recht auf und auch die Frage, warum eine bis an die Zähne bewaffnete Militärtruppe nicht mit Schusswaffen auf die Opfer losgeht, verkrümelt sich schnell in den Hintergrund.
Fazit
Neben einer Menge rot gefärbten Schnee mit Stücken schwingt aber immer auch noch derber Spaß mit. Die Landschaftsaufnahmen lassen zwar vermuten, warum so viele Menschen in den Norwegen-Urlaub wollen, aber die Fjäll-Raven-Trägerfraktion wird wohl kaum auf ein unintellektuelles Vergnügen wie Nazi Zombies, die unbedarfte Studenten in Blockhütten auseinander nehmen, abfahren. Alle, denen es im Kino gerne einmal ein bisschen derber zugehen darf, sollten sich „Dead Snow“ nicht entgehen lassen. Beinahe wähnt man die nordeuropäische Antwort auf „Braindead“ vor sich, was aber wohl ausßerhalb des Budgets von Wirkola lag. Die Rechnung für das Filmblut wird dem Regisseur wohl schon genug zum Nägelkauen gegeben haben. Daher melde ich gehorsamst, dass hier ein äußerst spaßiger wie auch blutiger Film zu sehen ist, der mit Sicherheit eine große Sympathisanten-Gemeinde unter den Gorehounds finden wird.
Gore-Score:
(8,5/10)
Filmwertung:
(8,0/10)
Topics: Knisters Kino | 2 Kommentare »









10.März 2009 at 18:38
Sehr informativ, danke!
Den werde ich mir wohl, mit reichlich Popcorn, zu Gemüte führen.
16.März 2009 at 16:18
[...] Weitere Meinungen zu Dead Snow “Zwar fängt der Streifen sehr gemächlich an, aber wenn er erstmal Fahrt aufnimmt spritzt das Blut und Pointen fliegen einem genau so um die Ohren wie Körperteile.” (Lain) “Der Film will sich gerne über allerlei Zombieklischees lustig machen, ist aber selbst zu unlogisch und absolut stroh doof, der Film ist eigentlich kein Zombiefilm. Wenn das Gehirn ausgeschaltet ist kann er aber ganz gut unterhalten. Nur beides gleichzeitig geht nicht, zumal es ewig dauert bis es mal losgeht” (Bloody Joe) “Daher melde ich gehorsamst, dass hier ein äußerst spaßiger wie auch blutiger Film zu sehen ist, der mit Sicherheit eine große Sympathisanten-Gemeinde unter den Gorehounds finden wird.” (Mr.Knister) [...]